Aktien im Beruf: Finanzbildung für Einsteiger

Lena Fischer erinnert sich noch gut an ihr erstes Gehalt. 2.100 Euro netto, Mitte 20, erstes Jahr als Projektkoordinatorin. Das Geld landete auf dem Girokonto, blieb da liegen und verlor durch die Inflation schleichend an Kaufkraft. Erst drei Jahre später, nach einem Gespräch mit einem Kollegen aus der Buchhaltung, fing sie an, sich ernsthaft mit Aktien zu beschäftigen. „Ich dachte immer, das ist nichts für mich“, sagt sie. „Dabei war das Einzige, das mir fehlte, ein vernünftiger Einstieg.“

Dieses Gefühl kennen viele Berufstätige. Die Finanzbildung in deutschen Schulen und Ausbildungen ist dünn. Wer nicht zufällig in einem wirtschaftsnahen Umfeld aufgewachsen ist oder einen Studiengang mit Finanzfokus belegt hat, kommt oft erst spät mit dem Thema Geldanlage in Berührung. Das kostet Zeit und damit Rendite.

Warum der Berufseinstieg der richtige Moment ist

Der erste Job bringt regelmäßiges Einkommen, aber selten sofortige finanzielle Verantwortung im großen Stil. Keine Hypothek, oft noch keine Familie, überschaubare Fixkosten. Das ist strukturell ein guter Zeitpunkt, um mit kleinen Beträgen Erfahrungen zu sammeln, ohne existenzielle Risiken einzugehen.

Wer mit 25 Jahren monatlich 100 Euro in einen breit gestreuten Aktienindex investiert und das 35 Jahre lang durchhält, kommt bei einer durchschnittlichen Jahresrendite von 7 Prozent auf ein Endkapital von rund 173.000 Euro. Wer zehn Jahre später anfängt, also mit 35, landet unter sonst gleichen Bedingungen bei etwa 82.000 Euro. Der Unterschied von 91.000 Euro entsteht nicht durch höhere Einzahlungen, sondern durch den Zinseszinseffekt über mehr Zeit.

Grundbegriffe, die wirklich gebraucht werden

Finanzbildung muss nicht akademisch sein. Für den praktischen Einstieg reichen wenige Konzepte, die man wirklich verstanden haben sollte, bevor man Geld investiert.

  • Aktie: Ein Anteil an einem Unternehmen. Wer eine Aktie von Siemens hält, ist Miteigentümer von Siemens, mit allen Chancen und Risiken.
  • ETF (Exchange Traded Fund): Ein börsengehandelter Fonds, der einen Index wie den MSCI World abbildet. Statt auf ein einzelnes Unternehmen zu setzen, investiert man in Hunderte gleichzeitig.
  • Depot: Das Konto, über das Wertpapiere gekauft und verwahrt werden. Ohne Depot kein Wertpapierhandel.
  • Volatilität: Die Schwankungsbreite eines Wertpapiers. Hohe Volatilität bedeutet starke Ausschläge nach oben und unten, nicht zwangsläufig dauerhaften Verlust.
  • Dividende: Eine Gewinnausschüttung an die Aktionäre. Nicht alle Unternehmen zahlen Dividenden; Wachstumsunternehmen reinvestieren Gewinne oft lieber.

Wer diese fünf Begriffe sauber auseinanderhalten kann, hat eine solide Basis für die ersten Schritte.

Das richtige Depot finden

Ein häufiger Fehler beim Einstieg: Man öffnet einfach ein Depot bei der Hausbank, weil es bequem ist. Dabei unterscheiden sich die Kosten erheblich. Manche Filialbanken verlangen 10 bis 15 Euro pro Wertpapiertransaktion, während Neobroker wie Trade Republic, Scalable Capital oder comdirect oft unter einem Euro pro Order liegen oder sogar kostenlose Sparpläne anbieten.

Gerade für Einsteiger lohnt sich ein strukturierter Vergleich, bevor das erste Depot eröffnet wird. Ein Depot-Vergleich für Einsteiger hilft dabei, die wichtigsten Kriterien wie Ordergebühren, Sparplankonditionen und Benutzerfreundlichkeit gegenüberzustellen, ohne sich durch Bankbroschüren kämpfen zu müssen. Bei einem monatlichen Sparplan von 150 Euro können schon fünf Euro Unterschied in der Transaktionsgebühr über Jahre hinweg mehrere Hundert Euro ausmachen.

Markus Steinberg, der seit sechs Jahren als freiberuflicher Grafikdesigner arbeitet, hat diesen Vergleich erst im Nachhinein gemacht. „Ich hatte zwei Jahre lang ein teures Depot, weil ich nie nachgeschaut habe. Als ich gewechselt bin, habe ich allein in den ersten zwölf Monaten über 80 Euro gespart, einfach durch niedrigere Gebühren.“

Strategie vor Einzelaktien

Der Reiz, in einzelne Unternehmen zu investieren, ist verständlich. Tesla, NVIDIA, SAP: Viele dieser Namen wirken vertraut. Trotzdem empfehlen unabhängige Finanzexperten Einsteigern fast einheitlich, zunächst mit breit gestreuten ETFs zu beginnen.

Der Grund ist simpel: Wer eine einzelne Aktie kauft, setzt alles auf ein Unternehmen. Gerät das in Schieflage, kann der Verlust erheblich sein. Ein ETF auf den MSCI World dagegen enthält Anteile an rund 1.500 Unternehmen aus mehr als 20 Industrieländern. Geht einer davon unter, ist das im Portfolio kaum spürbar.

Ein sinnvolles Einstiegsszenario: 80 Prozent des monatlichen Anlagebetrags in einen globalen ETF, 20 Prozent in einen Bereich, der persönlich interessiert, zum Beispiel Technologie oder nachhaltige Energie. So entsteht eine solide Basis mit etwas Spielraum für eigene Entscheidungen.

Psychologie und Durchhalten

Das größte Hindernis beim Investieren ist oft nicht fehlendes Wissen, sondern das eigene Verhalten in Krisenzeiten. Der DAX verlor zwischen Februar und März 2020, während der ersten Corona-Welle, innerhalb weniger Wochen rund 38 Prozent seines Wertes. Wer damals verkauft hat, hat den Verlust realisiert. Wer geblieben ist, hat bis Ende 2020 eine vollständige Erholung erlebt.

Dieses Muster wiederholt sich regelmäßig. Der Markt fällt, steigt wieder, fällt erneut. Langfristig zeigt der globale Aktienmarkt seit Jahrzehnten einen positiven Trend. Wer das verinnerlicht hat, trifft in Krisenzeiten bessere Entscheidungen als jemand, der nur auf den aktuellen Depotstand schaut.

Eine bewährte Methode gegen emotionale Kurzschlussreaktionen ist der automatisierte Sparplan. Wer einmal festlegt, dass jeden Monat am 1. automatisch 100 Euro in einen ETF fließen, muss keine aktive Entscheidung mehr treffen. Das reduziert die Versuchung, bei fallenden Kursen zu pausieren, also genau dann, wenn Anteile günstig zu haben wären.

Weiterbilden im Berufsalltag

Finanzbildung muss keine aufwändige Angelegenheit sein. Wer täglich zwanzig Minuten investiert, kann sich innerhalb eines Jahres ein solides Grundwissen aufbauen. Podcasts lassen sich auf dem Weg zur Arbeit hören. Bücher wie „Souverän investieren mit Indexfonds“ von Gerd Kommer oder „The Psychology of Money“ von Morgan Housel sind in wenigen Wochen durchzulesen und vermitteln mehr praxisrelevantes Wissen als die meisten Bankberatungsgespräche.

Innerhalb von Unternehmen entstehen zunehmend informelle Lerngruppen rund um das Thema Finanzen. Kolleginnen und Kollegen, die Erfahrungen teilen, Fragen stellen und gemeinsam Entscheidungen reflektieren, können ein wertvolles Umfeld sein. Wer im Verband oder Netzwerk aktiv ist, kann solche Formate auch dort anstoßen.

Der Einstieg in Aktien ist keine Frage der Herkunft, des Einkommens oder des Bildungsabschlusses. Er ist eine Frage des ersten Schritts. Und der lässt sich mit einem Sparplan von 25 Euro im Monat genauso machen wie mit 500 Euro.

Lena Fischer

Autor/in

Lena Fischer ist Karriereberaterin und Talentscout mit über 8 Jahren Erfahrung in der Nachwuchsförderung. Als Gründungsmitglied des BPT e.V. begleitet sie Talente auf ihrem Weg vom Studium in die Berufswelt und ist spezialisiert auf Karriereplanung, Persönlichkeitsentwicklung und professionelles Networking.

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